• «Mir hätte einer vor einer Woche sagen sollen, dass ich ohne Geld, Kreditkarte, von der Polizei verfolgt, wie ein Penner in einer Telefonzelle übernachten muss. Und das alles wegen einer 15-Jährigen.» Der das ganz zu Beginn des Films sagt, ist ein Mann Mitte dreissig, bis vor kurzem äusserst erfolgreich im Beruf, jetzt aber arbeitslos, von der Freundin verlassen und auf der Flucht.

    Rückblende: Martin Holzer ist ein nach aussen erfolgreicher, wenn auch rücksichtsloser Banker («Meine Zahlen sind der Hammer, weil ich rechtzeitig kille!»). Doch das Jonglieren mit Millionenbeträgen gelingt ihm nur mit den nötigen Aufputschmitteln, von denen er längst abhängig ist. Die Öffnungszeiten der Börsen rund um den Globus sind ihm wichtiger als seine Freundin, die ihm schliesslich den Laufpass gibt. In kurzen Sequenzen skizziert der Film den Jungbanker, den Pascal Ulli samt aalglattem Auftreten und nervöser Fahrigkeit überzeugend verkörpert.

    Parallel dazu wird die zweite Hauptfigur eingeführt, deren Leben ebenfalls - wenn auch indirekt - von Drogen bestimmt wird: Die 15-jährige Schülerin Corinna hat nicht nur eine Junkie-Mutter zu umsorgen, sondern ist auch bemüht, das Sozialamt bei den Routinebesuchen abzuwimmeln und nachfragende Lehrer wenn nötig mit gefälschten Unterschriften zu beschwichtigen. Nachwuchsschauspielerin Miriam Stein verleiht dieser trotzigen jungen Frau, die immer am Rand der Verzweiflung und finanziellen Not agiert, eine kraftvolle Präsenz.

    Regisseur Peter Reichenbach führt die beiden Figuren in einem Warenhaus zusammen. Corinna hat wieder einmal etwas mitlaufen lassen, Martin setzt sich spontan für sie ein, was sich die aufmüpfige Schülerin nur widerwillig gefallen lässt. Weil sich beide in ihrem bisherigen Leben nicht mehr heimisch fühlen - nach dem Drogentod ihrer Mutter fürchtet sie, wieder in ein Heim abgeschoben zu werden, ihm wurde die Stelle gekündigt -, raufen sie sich buchstäblich zusammen und flüchten gemeinsam. Martin will Corinna mit seinem Auto und Geld helfen, ihren Vater in Italien zu finden, den sie nur von Fotos und Erzählungen der Mutter kennt.

    Der Film, welcher vom grauen Zürich in hellere, südliche Gefilde wechselt, gesteht sich und dem Zuschauer fast keine Atempause zu. Da ist jede Szene am richtigen Platz, hat ihre dramaturgische Berechtigung. Die Darsteller transportieren dabei die Geschichte glaubhaft, auch wenn die Dialoge in dramatischen oder aktionsreichen Momenten etwas zu sehr nach Drehbuch klingen. Leise Momente meistern insbesondere Miriam Stein und Pascal Ulli dagegen überzeugend. Selbst in Soutane gibt der Berner Schauspieler seine Figur nie der Lächerlichkeit preis. Die 16-jährige Miriam Stein stand schon in ihrem Debüt Das Mädchen aus der Fremde für Peter Reichenbach vor der Kamera und heimste prompt den Deutschen Fernsehpreis als beste Nachwuchsschauspielerin ein. Zu Recht, wie diese neuerliche Zusammenarbeit zeigt.